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100 Jahre Weltfrauentag – was Frau so alles braucht

Dienstag, 8. März 2011

Als Mitteleuropäerin könnte man meinen, dass der 8. März nur noch dazu dient, auf die weltweit unterdrückten und die in Armut lebenden Frauen außerhalb Europas aufmerksam zu machen. Denn den Frauen hierzulande geht’s doch prima, wenn auch mit kleineren Einschränkungen. Rein statistisch betrachtet sind 23 Prozent aller Frauen schlechter bezahlt als Männer, was nicht gerade ein Aushängeschild für Deutschland ist. Dass zu wenig Frauen in den Chefetagen sitzten und die Frauenquote seit letztem Jahr heiß und kontrovers diskutiert wird, ist ebenfalls hinlänglich bekannt. Ist das Jammern auf hohem Niveau? Offensichtlich nimmt man hierzulande und in angrenzenden europäischen Nachbarländern das Frauenthemen ganz schön ernst; zumindest am 8. März, wie ich bei einem kleinen Medienstreifzug feststellen konnte.

Der „Topless“ Flashmop, ein  Autodafé der BHs,  sorgte heute Morgen schon auf dem Wiener Stephansplatz für Aufsehen und kontroverse Diskussionen. Jedenfalls eine ausgefallene und medienwirksame Idee, den Weltfrauentag zu begehen. Weniger originell hingegen finde ich die Forderung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der anlässlich des 100. Weltfrauentags eine größere Rolle von Frauen in der Wirtschaft fordert. Es sei enttäuschend und müsse geändert werden, dass in Europa noch zu wenige Frauen hohe Positionen in der Wirtschaft einnähmen. Gähn – das haben wir allmählich oft genug gehört. Auch nicht besonders aufregend finde ich die heutige Diskussion im nordrheinwestfälischen Landtag über die  Einführung einer Frauenquote, auf die sich die Parteien nicht einigen können. Erstaunlich finde ich allerdings das Ergebnis einer Umfrage des Onlineportals www.forher.de und Durex zu Liebe und Partnerschaft unter 6.000 Frauen. Das überraschende Ergebnis lautet:  Für 55 Prozent der befragten Frauen ist Liebe das wichtigste Kriterium bei der Partnerwahl. Das wäre mir ohne diese tiefgründige Befragung nie in den Sinn gekommen.  Ein weiteres spektakuläres Ergebnis der Studie besagt, dass Männer nicht mit Geld und Statussymbolen die Herzen der Frauen erobern, sondern mit Liebe, Attraktivität und gutem Sex. Hört, hört!

Originell finde ich ebenfalls, dass die Süddeutsche Zeitung am Weltfrauentag den redaktionellen Fokus auf bekannte Machos legt und keinen geringeren als Putin im Cowboy-Outfit mit nacktem Oberkörper als Sportangler präsentiert. Ergänzt mit einem Zitat seiner Ehefrau Ljudmila, aus Putins Biographie (Putin: The Road to Power) entnommen: „”Er hat zwei Grundregeln. Erstens: Die Frau ist allein für den Haushalt verantwortlich, zweitens: Lobe deine Ehefrau nicht, sonst wirst du sie verderben.” Weil er so schwierig zu bekochen gewesen sei, habe sie in Sachen Kochen das Handtuch geworfen.

Zu guter letzt noch einen kurzen Blick auf die traurigen Ursprünge des Weltfrauentags. Am 8. März 1908 traten die Arbeiterinnen der Textilfabrik “Cotton” in New York in den Streik, um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Fabrikbesitzer und Aufseher schlossen die Frauen in die Fabrik ein. Als plötzlich ein Feuer ausbrach, starben 129 Arbeiterinnen in den Flammen.