Überlaufene Studentenstädte – zuerst der Studentenjob, dann die Wohnung?

Studentenjobs in Berlin finden

©Thomas Wolf, www.foto-tw.de

Mittlerweile dürfte in aller Munde sein, dass Studenten zunehmend unter Druck stehen. Das hat verschiedene Gründe: zum Einen die strafferen Studienverläufe im Bachelor und Master und zum Anderen die Notwendigkeit, neben dem Studium einem Job bzw. Studentenjob nachzugehen. Dass Studierende zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes nebenbei jobben, ist nichts Unübliches. Allerdings verschärft sich die Situation seit ein paar Jahren durch die stetig steigenden Mietpreise in Großstädten und Ballungszentren. Dies ist eine Folge von zum Teil akutem Wohnraummangel, gerade in den zentralen Szenevierteln. Besonders stark betroffen von der Wohnungsnot sind die Städte München, Frankfurt a. Main und Hamburg. In München fehlten allein im letzten Jahr ca. 31.000 Wohnungen zum Mieten. Aber da, wo die Städte pulsieren, wollen Studenten natürlich leben und arbeiten – das macht die Studienzeit schließlich aus. Das Positive vorweg: an Studentenjobs mangelt es in der Regel nicht und praktische Erfahrungen werden immer wichtiger. Die Anzahl der Jobs steigt sogar, trotz Krise oder vielleicht gerade deshalb, weil Studentenjobs für Arbeitgeber günstig sind und schnell wieder zu kündigen. Das ist allerdings ein schlechter Trost, wenn faktisch zu wenige Wohnungen zur Verfügung stehen und auch die Wohnheime völlig überlaufen sind. Deutschlandweit fehlen derzeit mindestens 25.000 Wohnheimplätze. In München kann die Wartezeit auf ein Wohnheimzimmer zwischen 1 – 4 Semester betragen. Private Mietwohnungen sind in München für Studenten unbezahlbar oder einfach nicht vorhanden. Die Preise für Mietwohnungen in München sind in den letzten drei Jahren um knapp acht Prozent gestiegen. Noch größer war die Erhöhung in Stuttgart mit sogar knapp 10 %.

Alternativen für Studenten

Was aber macht man, wenn man einen Studienplatz und eventuell auch schon einen Studentenjob hat, aber keine Wohnung findet? Studenten beziehen in solchen Situationen Notunterkünfte in Fitnessstudios oder in der Uni, übernachten tageweise bei Freunden oder mieten Zimmer in Seniorenheimen, wie es in Hannover der Fall ist. Das Kölner Studentenwerk hat die Aktion „Mein Zuhause in Köln“ ins Leben gerufen, um dem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage von günstigen Zimmern in Köln entgegen zu wirken. Zuletzt konnte in Köln nur an ein Drittel der Bewerber für Wohnheimzimmer auch eine Zusage erteilt werden.

Rosige Zeiten für Vermieter

Die Vermieter sind in vielen Studentenstädten in einer komfortablen Situation und erhöhen bei jedem Mieterwechsel die Preise zum Teil willkürlich, da sie sicher sein können, die Wohnung loszuwerden. Eine gesetzliche Grenze für Mieterhöhungen gibt es nur für bestehende Mietverhältnisse. Innerhalb von vier Jahren darf der Mietpreis um maximal 15% erhöht werden. Die drastischen Erhöhungen betreffen diejenigen, die häufig ihren Wohnort wechseln, wozu vor allem Studenten, Auszubildende und Berufseinsteiger zählen. Der Wohnungsmangel geht inzwischen soweit, dass die Bewerbung auf eine Unterkunft vergleichbar ist mit der Jobsuche. Suchende stellen sich bei der Besichtigung mit Bewerbungs- mappe, inklusive Lebenslauf vor.

Die aktuelle Situation wird sich nicht kurzfristig ändern lassen, zumal die Zahl der Studierenden in den nächsten Jahren noch steigen wird. Also bleibt nur eins, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Bewerbungsunterlagen für den nächsten Job oder Studentenjob zusammenstellen und auf zur neuen potentiellen Wohnung.

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